«Als ich im Herbst 2016 erfahren habe, dass wir einen ganzen Tag jemandem von Zwangsheiratzuhören werden, habe ich mir vorgenommen, anstandshalber Aufmerksamkeit vorzutäuschen und ein Sportheftli mitgenommen. Erstens hatte ich ja nur mit PrimarschülerInnen zu tun und zweitens war ich diesem Randthema noch nie begegnet.

Was dann im Workshop gekommen ist, war eine Lawine statistischer Daten, bunter Beispiele, trauriger Tatsachen, interessanter Informationen, nicht geahnter Zusammenhänge und noch wenig geahnter Auswegmöglichkeiten. Und das alles hat der Referent der Fachstelle Zwangsheirat mit viel über uns Humor geleert und mit dem verständnisvollem Grinsen, dass wir das zwar eh nie ganz verstehen werden können, aber wichtig ist, dass wir verstehen: Zwangsheirat gibt es in der Schweiz. Selten habe ich einen Referenten erlebt, der so fachlich fundiert und gleichzeitig humorvoll und menschlich war, ein Erlebnis! Das Sportheftli blieb jedenfalls im Rucksack.

Inzwischen habe ich mich als Schulsozialarbeiter bereits dreimal an die Fachstelle dreimal gewendet oder sie weiterempfohlen. Jedes Mal wurde ich professionell und schnell beraten. Auch das Versprechen, dass die BeraterInnen zu uns kommen, um vor Ort zur Hilfe stehen, haben sie erfüllt. Und es handelte sich überhaupt nicht nur um das Thema Zwangsheirat. Das Wissen der Fachleute über kulturelle und religiöse Gegebenheiten und Zusammenhänge ist viel breiter. Wenn ich bei meiner Arbeit in der Schule bei religiösen und kulturellen Themen an meine Grenze stosse, dann weiss ich nun, wer mehr weiss. Danke.»

P. Sema Stepanik, Schulsozialarbeiter