Wie unterscheidet sich eigentlich eine Zwangsheirat von einer Zwangsehe? Wann spricht man von Arrangement und wo fängt Zwang an? Diese Unterscheidungen sind gerade bei späteren möglichen Massnahmen wichtig. Ingesamt differenziert die Fachstelle Zwangsheirat  zwischen neun Formen der Heirat. Welche Übergänge und Nuancen zwischen Fremd- und Selbstbestimmung bei diesen Heiratsmodi vorkommen, wird hier näher erklärt.

Heirat und Zwang

Eine Heirat ist grundsätzlich immer von Normen und Erwartungen der Gesellschaft und des Umfeldes geprägt. Aber wenn die Erwartungen des Umfelds und der Familie die bestimmenden Faktoren werden, die über den Wünschen der Individuen stehen, dann können Zwänge und Bürden rund um Heirat und PartnerInnenwahl auch zu Zwangsheiraten führen.

Heiratsbürden – beengende Normen

Als Heiratsbürden bezeichnen wir bestimmte Normen in Bezug auf Heirat und Ehe: wann und wie soll geheiratet werden und wer kommt dafür in Frage? Hierzu gehört der Heiratszwang, überhaupt heiraten zu müssen, die Norm der Gegengeschlechtlichkeit, Vorgaben betreffend dem Alter der EhegattInnen, der Umgang mit Sexualität und die Norm der Endogamie, dass ein Partner oder eine Partnerin innerhalb der eigenen Herkunftsgruppe gewählt werden muss. Diese Vorgaben können Heirat und Ehe sowie ebenso die Wahl des oder der Ehegattin überbürden und damit Zwangsheiraten begünstigen.

Heiratszwang – der Zwang zu heiraten
Wenn ein Paar zusammenleben will, muss es heiraten. Dies ist die Auffassung in manchen traditionalistisch geprägten Gemeinschaften. Dort gilt die Ehe als einzige anerkannte und erstrebenswerte Form, wie Frauen und Männer zusammenleben dürfen.

Es existiert dabei keine Wahlmöglichkeit, ob jemand überhaupt heiraten möchte oder eine andere Lebensform vorzieht: ein Single-Leben oder eine eheähnliche Gemeinschaft (in der Schweiz Konkubinat genannt) sind in solchen Gemeinschaften verpönt.

Norm der Gegengeschlechtlichkeit (Heteronormativität)
Ein Paar setzt sich aus Mann und Frau zusammen. Trotz der Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder der Heiratsmöglichkeit von homosexuellen Paaren dominiert die Norm der Gegengeschlechtlichkeit in einer Ehe als Form des Zusammenlebens in fast allen Ländern. Homosexuelle oder andere Beziehungsformen gelten folglich als «Abweichung» und werden manchmal ausgegrenzt.

Zu alt, um zu heiraten?
Das Alter spielt eine Rolle bei Heiratsentscheiden. Ab einem gewissen Alter noch nicht verheiratet zu sein, vermindert bei Frauen die Chancen auf einen Heiratspartner. Sie können zu «Übriggebliebenen» werden. Die Autorin und Sozialwissenschaftlerin Elif Shafak schreibt in ihrem Buch «Ehre» über ihre Protagonistin Jamila, die nie geheiratet hat: «Mit zweiunddreißig Jahren, lag das beste Alter hinter ihr, vom Heiratsalter ganz zu schweigen. Um eine Familie zu gründen, war es zu spät. Ein trockener Schoß ist wie eine verfaulte Melone: von außen ansehnlich, aber innen ausgedörrt und zu nichts mehr zu gebrauchen», sagten die Bauern über Frauen wie sie.

Weiter besteht die gesellschaftliche Norm, dass in der Partnerschaft die Frau jünger sein sollte als der Mann.

Zeitpunkte mit Zwangssituationen (bei Frauen «3 Wellen»)

Die 3 Wellen altersbedingte Heiratsbürden

Betreffend Alter: Heiratsbürden für Frauen in 3 Wellen

  1. Welle 18 Jahre (Ehemündigkeitsalter in der Schweiz)
  2. Welle 23 Jahre (ideales Heiratsalter aus Sicht der Gemeinschaft)
  3. Welle 26 Jahre (danach «Übriggebliebene» oder «alte Jungfer»).

Sexualität nur in der Ehe?
Die Heirat soll verhindern, dass es zu vor- und ausserehelichem Geschlechtsverkehr kommt. Dieser ist in manchen traditionalistisch-konservativ geprägten Gemeinschaften verpönt. Weibliche Sexualität wird kontrolliert, der Jungfräulichkeitskult gepflegt. Darunter leiden vor allem Frauen. Eine (Zwangs-)heirat kann die Familie von dieser Kontrollpflicht befreien. Dies kann auch als Disziplinierungsmassnahme gesehen werden. Besonders dann, wenn Eltern im Wohnland Schweiz es schwierig finden, in einer bezüglich Sexualität liberaler eingestellten Mehrheitsgesellschaft die Sittsamkeit ihrer Töchter zu wahren.

Gebote und Verbote rund um Endogamie
Wenn jemand nur innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft, der eigenen ethnischen oder sprachlichen Herkunfts-Gruppe heiraten darf, dann wird von einem Endogamiezwang gesprochen. Eine arrangierte Ehe wird anhand der Kriterien organisiert, die betreffend der PartnerInnenwahl wichtig sind. Beispielsweise existieren im tamilischen Gebiet Jaffna in Sri Lanka 216 Kasten. Diese enge Orientierung kann demnach zu Zwangsverheiratungen führen.

Oft wehren sich Betroffene gegen Endogamiezwänge dann, wenn in diesem Zusammenhang ein Liebesverbot im Spiel ist. Von diesem Trilemma können auch Schweizer und Schweizerinnen ohne Migrationshintergrund mitbetroffen sein – ein Zwang, zwei Beziehungen, drei involvierte Personen: Eine Betroffene hat «den falschen Freund», der nicht denselben ethnischen oder religiösen Hintergrund hat. Eine Zwangsheirat mit einem «richtigen» Partner soll dann der Disziplinierung dienen. Siehe Fragen und Antworten.

Weitere Gründe, die zu Zwangsheiraten führen können ersehen Sie bei Ursachen.

Heiratsmodi

Wo «Zwang» rund um die Heirat beginnt, und welche Formen er annimmt, ist in der Realität manchmal schwierig zu definieren. Grundsätzlich hängt es vom subjektiven, persönlichen Empfinden einer Person ab, ob sie Fremdbestimmung als Zwang wahrnimmt. Ob sich jemand gegen den Zwang wehrt oder nicht, ist wieder eine andere Sache. Bei Zwangsheiraten gibt es – auch wegen diesen schwierigen Abgrenzungen – eine hohe Dunkelziffer.

Wir unterscheiden im Folgenden neun unterschiedliche Heiratsmodi: Zwangsheirat, arrangierte Heirat, Minderjährigenheirat, Scheinheirat, Liebesheirat, selbstorganisierte Heirat, gleichgeschlechtliche Heirat, Mehrheirat und Zwangsehe. Diese Heiratsformen bewegen sich in unterschiedlicher Weise zwischen Fremd- und Selbstbestimmung.

Zwangsheirat: Menschenrechtsverletzende Fremdbestimmung.

Eine Zwangsverheiratung liegt dann vor, wenn mindestens eine der betroffenen Personen (Braut oder Bräutigam) sich zur Heirat gezwungen fühlt. Entweder findet die betroffene Person mit ihrem «nein» und ihrer Weigerung kein Gehör oder sie wagt es gar nicht erst, sich zu widersetzen, weil sie negative Konsequenzen befürchtet. Der/die Verlobte, die Familie oder Verwandte üben mit unterschiedlichen Mitteln Druck aus.

Dazu gehören psychischer Druck sowie emotionale Erpressung, Einschränkungen in Bezug auf Lebensstil und Bewegungsspielräume oder andere erniedrigende, entwertende und kontrollierende Verhaltensweisen. Auch Drohungen, Nötigungen, Einsperren oder Entführungen, physische oder sexuelle Gewalt kommen in Extremfällen vor. Sozialer oder struktureller Druck spielt bei Zwangsheiraten ebenfalls eine wichtige Rolle. Siehe Druckmittel bei Ursachen.

Zwangsheiraten sind in der Schweiz verboten. Auch auf internationaler Ebene sind Zwangsheiraten als menschenrechtsverletzende Praktik definiert. Siehe Recht. Auch erzwungene Eheversprechen, sogenannte Zwangsverlobungen, sind in der Schweiz untersagt.
Die Heirat muss nicht zwingend vor dem Standesamt geschlossen werden. Häufig ist eine sogenannt informelle Heirat gemäss einer bestimmten kulturellen oder religiösen Tradition, der sich die Familie zugehörig fühlt, sogar wichtiger als die formelle Eheschliessung. In der Schweiz gilt aber das Primat der Ziviltrauung (Art. 97 Abs. 3 ZGB). Eine informelle Heirat darf erst nach der zivilen Trauung stattfinden.

Arrangierte Heirat: Fremdbestimmung mit Zustimmung.

Bei einer arrangierten Heirat wählen die Eltern, Verwandten oder HeiratsvermittlerInnen den Ehegatten oder die Ehegattin aus. Braut und Bräutigam können dabei zustimmen oder ablehnen.

Was aber, wenn die Verwandten einfach davon ausgehen, dass die Brautleute mit einer arrangierten Heirat einverstanden sind? Entscheidend ist dann, ob die Brautleute eine echte Chance haben, «Nein» zu sagen. Schliesslich sind sie mit der Tradition der arrangierten Heirat und im Wissen um ihre Bedeutung aufgewachsen. Und sie kennen die möglichen sozialen Folgen für sich und ihre Familie bei einer Weigerung.

Entscheidend ist, ob die Brautleute eine echte Chance haben, «nein» zu sagen. Die Familie und das soziale Umfeld üben hier teilweise grossen Druck auf die Entscheidung aus. Entsprechend kann man auch von Zwangsheirat sprechen, wenn den Betroffenen der Zwang erst nach der Eheschliessung bewusst wird.

In der Schweiz sind arrangierte Heiraten rechtlich nicht verboten.

Die Übergänge von einer arrangierten Heirat zu einer Zwangsheirat sind also fliessend. Deshalb ist die Unterscheidung dieser Heiratsformen eine Herausforderung. Wo beginnt der Zwang? Ist Druck im Spiel? Haben die Betroffenen wirklich eine reelle Chance, nein zu sagen?

Vom Arrangement zum Zwang: Drei Perspektiven

  1. Zwangsheirat und arrangierte Ehen sind verschieden, es ergibt sich keine Schnittmenge.
    Kulturrelativistischer Blickwinkel: In einigen Gesellschaften sind arrangierte Heiraten gang und gäbe, diese Form der Verheiratung wird von den Betroffenen nicht als Zwang wahrgenommen. Im Sinne von: andere
    Länder, andere Sitten.
  2. Eine arrangierte Heirat kann eine Zwangsheirat sein, muss aber nicht. Zwangsheirat und arrangierte Heirat verfügen über eine Schnittmenge.
    Standpunkt der Fachstelle Zwangsheirat: Rechtlich sind arrangierte Heiraten in der Schweiz erlaubt, Zwangsheiraten hingegen verboten. Dazwischen existiert allerdings ein Graubereich, es ergibt sich also eine Schnittmenge. Als Beratungsstelle nehmen wir die Betroffenen auch dann als handelnde Subjekte wahr, wenn sie der PartnerInnenwahl durch Dritte zustimmen. Aber gleichzeitig sollte das Individuum nicht seinem Schicksal überlassen werden.
  3. Heiratszwang, Endogamie, Alterszwänge und Gegengeschlechtlichkeit: weil arrangierte Heiraten solche Heiratsbürden beinhalten, bedeuten sie Zwang.
    Feministische Betrachtungsweise: Jegliche Fremdbestimmung bei der Heirat bedeutet Zwang. In dieser Sichtweise gibt es keine Graubereiche oder Abstufungen. Zwangsheirat und arrangierte Heirat sind deckungsgleich.

Minderjährigenheirat: Prekäre Selbst- oder Fremdbestimmung

In der Schweiz sind Minderjährige nicht ehefähig: ohne Volljährigkeit (18 Jahre) keine Heirat. Manchmal wird die Voraussetzung der Volljährigkeit allerdings umgangen, indem eine Zwangsverlobung erfolgt.

Minderjährigenheiraten werden auch international bekämpft. Die Afrikanische Charta über die Rechte und das Wohlergehen des Kindes definiert Minderjährigenheiraten als schädliche soziale und kulturelle Praktiken. Sie hat unter den internatinalen und regionalen Konventionen das Ehefähigkeitsalter 18 Jahre bereits 1990 als Erste definiert. Sie besagt:

Art. 21 Abs. 2: «Child marriage and the betrothal of girls and boys shall be prohibited and effective action, including legislation, shall be taken to specify the minimum age of marriage to be 18 years (…).»

Im Umgang mit Minderjährigenheiraten gibt es aber in der Schweiz noch Gesetzeslücken. Minderjährigenheiraten sind in der Schweiz zwar in der Regel verboten (gemäss Art. 105 Ziff. 6 ZGB). Als Ehemündigkeitsalter gilt 18 Jahre. Bei im Ausland nach ausländischem Recht geschlossenen Ehen wird aber ab dem Schutzalter von 16 Jahren eine Interessensabwägung vorgenommen, wenn also die Fortführung der Ehe den überwiegenden Interessen der Brautleute entspricht, wird sie in der Schweiz anerkannt. Die Interessen sind jedoch nicht immer einfach festzustellen.

Scheinheirat: Irregularisierte Selbstbestimmung.

Unter Scheinheirat versteht man eine Heirat, die nicht zum Ziel einer dauerhaften Lebensgemeinschaft geschlossen wird. Vielmehr geht es um das Erwirken gewisser Rechte (Einreisevisum, Aufenthaltsrecht, Bleiberecht).

Scheinheiraten stellen einen Verstoss gegen die Rechtsordnung dar. Denn das Bundesgericht definiert die Ehe als ein: «auf Dauer angelegtes Zusammenleben von Mann und Frau in einer umfassenden Lebensgemeinschaft» (BGE 119 II 264 E. 4b S. 267)

Gleichzeitig sind Scheinheiraten aber selbst gewählt.

Sogenannte Lavendelehe: Dies bezeichnet die strategische Entscheidung von homosexuellen Personen, eine heterosexuelle Ehe (Mann und Frau) einzugehen. Sie hat zum Ziel, gesellschaftliche Sanktionen oder das Adoptionsverbot zu umgehen.

Liebesheirat: Romantisch motivierte Selbstbestimmung

Die Liebesheirat ist in individualistisch geprägten Gesellschaften – auch in der Schweiz – das gesellschaftliche Ideal. Es ist die (vermeintlich) gängigste Heiratsweise. Diese Form der selbstbestimmten Heirat beruht auf einer Heiratsentscheidung auf Basis gegenseitiger Zuneigung und Verliebtheit. Sie wird im freien Willen und auf Wunsch beider PartnerInnen geschlossen. Obschon Liebe im Zentrum steht, können auch andere Faktoren wie Geld, Einkommen, Prestige und gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle spielen.

Selbstorganisierte Heirat: Selbstbestimmung mit Hilfsmitteln

Eine selbstorganisierte Heirat erfolgt durch Hilfsmittel, die bei der Auswahl helfen: Um den passenden Partner, die passende Partnerin zu finden, setzen Heiratswillige etwa auf die Unterstützung von Kontaktanzeigen oder Internetportalen (Dating-Seiten, Online-Partnervermittlungen usw.).

Für die selbstorganisierte PartnerInnensuche steht eine grosse Bandbreite von Hilfsmitteln zur Verfügung. Bindungswillige suchen per Annoncen nach einem Wunschpartner oder nach der Gefährtin fürs Leben.

Die selbstgewählten Kriterien zu erwünschten Merkmalen oder Charaktereigenschaften verändern sich über die Zeit. Während Frauen früher treue Männer suchten, sind heute humorvolle Männer gefragt. Männer ihrerseits sehnen sich heute nach treuen und ehrlichen Frauen. Selbstgewählte Kriterien beeinflussen also die Vorauswahl. Die Wahl des Partners/der Partnerin erfolgt selbstbestimmt.

Bereits schätzungsweise jede dritte Ehe in der Schweiz wird mittlerweile mit Hilfsmitteln selbst organisiert – Tendenz steigend. Vorkriterien wie Augenfarbe und Musikgeschmack grenzen bei der PartnerInnensuche die Vielfältigkeit der Paarkonstellationen ein. Die Versprechen der Datingagenturen, mittels Computeralgorithmen oder anderen «wissenschaftlich» fundierten Kombinations- und Eingrenzungsmöglichkeiten den «perfekten Match» zu erreichen, erhöhen die Ansprüche an einen Partner bzw. eine Partnerin nochmals.

Die Möglichkeit, jemanden online kennenzulernen,  empfinden gerade Jugendliche, die Zuhause stark kontrolliert werden, als Befreiung. Allerdings hat der virtuelle Raum auch Schattenseiten wie etwa die Pädokriminalität. Und es kommt vor, dass mit Informationen aus dem Internet Druck ausgeübt wird. Zum Beispiel wird eine junge Frau von ihrem Bruder an die Eltern verraten, nachdem er das Kontaktprofil seiner Schwester in einem Chatraum gefunden hat.

Die Online-Möglichkeiten haben die Beziehungssuche sowohl für gegengeschlechtliche als auch für gleichgeschlechtliche Bindungswillige in kurzer Zeit einschneidend verändert. Die selbstorganisierte PartnerInnensuche kann in eine Liebesheirat münden.

Gleichgeschlechtliche Heirat: Selbstbestimmung ohne Heteronormativität.

Die gleichgeschlechtliche Heirat ist in vielen Ländern mittlerweile erlaubt, zum Beispiel in Spanien, Portugal, Norwegen, Schweden, Niederlande, Belgien, Frankreich, Irland, Neuseeland, Argentinien, Uruguay, Brasilien, Kolumbien, Südafrika, Deutschland und weiteren Staaten. Die Liste wird ständig erweitert. Damit wird die Norm der Gegengeschlechtlichkeit bezüglich der Ehe aufgehoben.

In der Schweiz ist die gleichgeschlechtliche Partnerschaft seit 2007 in gesetzlich legitimierter Form als Eintragung einer eheähnlichen Gemeinschaft möglich, bisher aber noch nicht die «Homo-Ehe».

Mehrheirat: Strittige Selbstbestimmung

Eine Mehrheirat liegt vor, wenn jemand mit mehreren Personen verheiratet ist. Eine traditionalistische Form der Mehrheirat ist die gleichzeitige Mehrehe Polygamie. Sie ist in der Schweiz verboten (Art. 215 StGB).

Die Polygynie, wenn also ein Mann mehrere Frauen heiratet, ist die am häufigsten vorkommende Form von Polygamie. Weitaus seltener ist der umgekehrte Fall der Polyandrie, wenn eine Frau mehrere Ehemänner hat.

Serielle Monogamie, das Wiederheiraten nach einer Scheidung, ist in der Schweiz erlaubt. Manche Gesellschaften mit ausgeprägten katholischen Wertvorstellungen stehen der Scheidung kritisch bis ablehnend gegenüber: In Malta ist die Scheidung erst seit 2011 erlaubt und beispielsweise in den Philippinen noch heute verboten.

Im Gegensatz dazu ist die Polyamorie ein multi-erotisches Beziehungsmodell mit vollem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten. Eine formelle Heirat ist nicht möglich.

Zwangsehe: Bleibezwang in der Ehe

Eine Zwangsehe ist ein Bleibezwang in einer bereits eingegangenen Ehe. Sie liegt dann vor, wenn sich mindestens eine der beiden EhepartnerInnen gezwungen fühlt, die Ehe fortzuführen und sie nicht aufzulösen, weil der/die EhepartnerIn, die Familie oder Verwandte mit unterschiedlichen Mitteln Druck auf den Verbleib in der Ehe ausüben. Ein solcher Bleibezwang kann nach allen Heiratsformen entstehen, beispielsweise auch nach einer selbstorganisierten Vermählung.

Die betroffenen Personen werden mit unterschiedlichen Mitteln durch ihr Umfeld unter Druck gesetzt, durch die eigene Familie bzw. die des Ehepartners oder durch den/die EhepartnerIn selbst. Sexualisierte und allgemein häusliche Gewalt spielen hier oft eine Rolle. Auch ökonomische Abhängigkeit oder der Aufenthaltsstatus zwingt Betroffene einer Zwangsehe oft dazu, zu bleiben anstatt der Zwangssituation zu entfliehen. Allerdings gilt im Art. 50 Abs. 2 des Ausländergesetzes (AuG) ein zivilstandsunabhängiges Bleiberecht bei besonderen Umständen wie häuslicher Gewalt oder nach einer Zwangsheirat.

Bei einer Scheinheirat kann sich durch den Beweisdruck gegenüber den Behörden ein struktureller Bleibezwang in der Ehe ergeben.

Die Begrifflichkeiten rund um die Formen von Zwangsheirat und –ehe und auch die Nuancen von Fremd-und Selbstbestimmung, die hier eine Rolle spielen, sind eine gute Grundlage, um zu verstehen, mit welchem Phänomen wir es zu tun haben. Das reicht aber noch nicht aus, um zu verstehen, wie es zu einer Zwangsheirat kommt. Mehr Informationen dazu finden sie bei  Ursachen.

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